Das Netzebander Synchrontheater

Am Fuße der Netzebander Temnitzkirche erstreckt sich auf dem Grün des Gutsparks, umgeben von uralten Bäumen, eine beeindruckende Open Air Bühne. Die Optik ist genial, die Akustik problematisch. So entstand die Idee, Ton und Bild getrennt voneinander zu produzieren, um sie anschließend  auf der Bühne wieder zusammen zu führen. Mit seiner Inszenierung von Shakespeares „Macbeth“ kreierte Frank Matthus 2006 auf diese Weise das Netzebander Synchrontheater. Der Stücktext wird auf Tonband aufgenommen und wie ein Hörbuch inszeniert. Die Darsteller erhalten überdimensionale, kusntvolle Masken, die nicht nur das Gesicht vergrößern, sondern auch den Emotionen und dem Charakter der jeweiligen Figur Ausdruck verleihen. Der Ton wird mittels geschickt positioniertem Lautsprechersystem in den Raum installiert, die Darsteller bewegen sich synchron dazu. Ihr Spiel mit der Maske ist wie ein innerer Tanz. Szenische Vorgänge können so optisch weit transportiert werden und „ziehen“ das Publikum mitten hinein ins Geschehen. Auf „Macbeth“ folgte 2008 – 2010 die „Nibelungen-Trilogie“ (Text und Regie Frank Matthus). Seither gibt es jedes Jahr eine neue Synchrontheater-Produktion. Alle bisherigen Inszenierungen hier im Überblick.

Übrigens: Erstmals mit einem Textband und dazu visualisierter, synchronisierter Szene arbeitete in Netzeband 1996 der Regisseur und Bühnenbildner Jürgen Heidenreich in seiner Inszenierung „Unter dem Milchwald“. Er benutzte allerdings nicht die Maske als Kunstmittel, um die Gesichter zu abstrahieren, sondern schuf 53 überlebensgroße Figuren, die auf der Szene geführt werden.