Osterkonzert

Samstag, 20. April 2019, 17 Uhr
Osterkonzert

Joseph Haydns „Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz“ sollten ursprünglich einer bestimmten Karfreitagsandacht dienen: 1785  beauftragte das Domkapitel der spanischen Bischofsstadt Cadiz Haydn mit der Komposition von Orchestersonaten über die Sieben Worte. Anlässlich der Kreuzesverehrung in der Kathedrale verlas und erläuterte der Bischof je ein Kreuzeswort und schritt zwischen jeder Lesung zum ausgestellten Kruzifix. Haydns Musik sollte sowohl die gehörten Christusworte „nachklingen“ lassen, als auch die jeweilige kurze Prozession zum Kreuz begleiten. „Jedweder Text ist bloß durch die Instrumentalmusik dergestalt ausgedrückt, dass es den Unerfahrensten den tiefsten Eindruck in Seiner Seel erwecket“ (J. Haydn, 08. April 1787). Der Komponist ersann ein Motiv zu je einem Kreuzeswort bzw. dem sinnstiftenden Satzanfang, führte dieses jeweilige vokal erdachte Thema aber nicht in Form einer Arie ohne Text aus, sondern in sieben charakteristischen langsamen Sonatensätzen, wie in seinen großen Sinfonien der 1780er und –90er Jahre. Stärker jedoch als in den Sinfoniesätzen herrscht jeweils eine düstere Stimmung vor, die nur in den „positiven“ Sätzen „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ und „In deine Hände“ sanfter und heller schließt. Ansonsten dominieren abwärts gerichtete Motive, oft chromatisch durchsetzte Seufzer, Pausen, Kontrastdynamik. Dramatik im weitesten Sinne erfährt der Sonatenzyklus durch die finster-theatralische „Introduzione“ und das Matthäus 27, Verse 51, 52 illustrierende abschließende „Terremoto“ (Erdbeben).

Haydn schuf 1787 die Fassung für Streichquartett und 1795 auf Drängen des Bischofes von Würzburg eine oratorische Fassung, der ihm auch den oratorischen Text lieferte.

Zapf schrieb seine Komposition „Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“  für eine Aufführung von Haydns Streichquartettfassung in der Zepernicker Sankt-Annen-Kirche 2002. Er wollte Haydns Gedanken zu seinem Werk in einen musikalischen Kontext zur zeitgenössischen Musik bringen.

Haydn stellt in seiner oratorischen Fassung die Worte Jesu als Zitate den jeweiligen Oratoriumssätzen mit ihren Ausdeutungstexten voran. Für diese Zitate benutzt Haydn eine schlichte vierstimmige Satztechnik die sehr an frühbarocke Elemente erinnert. Er rückt die Worte Jesu damit in ein ganz besonderes Licht gegenüber seiner eigenen Tonsprache.

Der Streichquartettfassung  Haydns setzt Helmut Zapf bei diesem Werk seine Tonsprache als Vertonung der „Sieben letzten Worte“ dazwischen.

Zum einen sind die Chorsätze im gleichen homophonen Gestus geschrieben wie Haydns Sätze im Oratorium, allerdings in anderen tonalen Zusammenhängen. Zum anderen gab er als „Bindeglied“ zwischen den Sätzen Haydns und seinen Chorsätzen noch ein jeweils kurz-intonierendes Klarinettensolo dazu, welches nicht nur die Intonation für den Chor darstellt, sondern auch musikalisch die Motivik und Tonarten Haydns aufgreift und diese durch kompositorische Brechungstechnik in ein aktuelles Klangbild formt.

Die Aufführung Haydn/Zapf hat drei Ebenen: Streichquartettsatz/Haydn – – Klarinettensolo/Zapf  – – Chorsatz/Zapf. Mit den drei Ebenen nimmt er bewusst Bezug auf die DREI als das Symbol der Vollkommenheit, aber die DREI steht auch für das Symbol des Kreuzes.
(Karin Zapf)

Tickets: tourist-information-rheinsberg.de
033931 34 94 0
Vorverkauf 20 Euro, ermäßigt 15 Euro
Abendkasse 22 Euro, ermäßigt 17 Euro

Tickets online: https://theatersommer-netzeband.reservix.de/events

Programm

Joseph Haydn (1732 – 1809) /  Helmut Zapf (1956*)
„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ (1787)
Für Streichquartett, 4-5 stimmig gemischten Chor und Soloklarinette

Es musizieren und singen:
Gascoigne Quartett Berlin
Vokalensemble ProsecChor – Leitung: Simon Scriba
Klarinette: Sabina Matthus Bebie
Gesamtleitung: Helmut Zapf