Die Goldenen Zwanziger

Samstag, den 23. Februar 2019, 17 Uhr
Die Goldenen Zwanziger

Die Goldenen 1920er Jahre – in den USA auch Roaring Twenties genannt – stehen für den wirtschaftlichen Aufschwung der weltweiten Konjunktur. Sie bezeichnen auch eine Blütezeit der deutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft.  Jazz und neue Tanzstile wie Charleston beflügeln die Menschen. Das Korsett kommt weg und weicht einer neuen, lässigeren Mode. Die „Commedian Harmonists“ wurden gegründet und erlangten mit Titeln wie „Ein kleiner grüner Kaktus“ Weltruhm. Auch in Volker Kutschers „Ein nasser Fisch“ – verfilmt in der Serie „Berlin Babylon“ spielt die Ästhetik der Roaring Twenties eine entscheidende Rolle. Inspiriert davon hat das Duo „Im Goldrausch“ für das Osterkonzert in Netzeband ein spannendes Programm für die Besetzung Klarinette und Akkordeon zusammengestellt mit einer interessanten Mischung aus den unterschiedlichen Stilen dieser Zeit. Musik von Bela Bartok, Ernst Krenek, Igor Stravinsky und Arthur Honegger trifft auf Stücke aus Kurt Weills Dreigroschenoper, George Gershwins „Three preludes“, Argentinische Tangos und Operetten von Paul Abraham.
Duo im Goldrausch: Sabina Matthus-Bébié, Klarinette, Felix Kroll, Akkordeon

Tickets: tourist-information@rheinsberg.de
033931 – 34 93 0
Wintersonderpreis: 12,00 €, ermäßigt 10 €
Tickets online: https://theatersommer-netzeband.reservix.de/events

Programm

Musik von Bela Bartok, Ernst Krenek, Igor Stravinsky und Arthur Honegger trifft auf Stücke aus Kurt Weills Dreigroschenoper, George Gershwins „Three preludes“, Argentinische Tangos und Operetten von Paul Abraham.

Das Duo „Im Goldrausch“ – Sabina Matthus-Bebie, Klarinette und  Felix Kroll, Akkordeon – hat erstmals zusammen gearbeitet beim Klarinettenfestival „Carte blanche“ 2014. Dabei ist die Idee entstanden, Bachs Goldbergvariationen in dieser Duo-Besetzung zu spielen. Daher hat das Ensemble auch seinen Namen. Nebst der Begeisterung für Bach spielen die beiden Musiker Komponisten wie Isabel Mundry, Helmut Zapf, Helmut Oehring, Toshio Hosokawa oder Iris ter Shiphorst.

Sabina Matthus-Bébié, Klarinette
wurde 1975 in San José, Costa Rica geboren. Sie wuchs in Thun, Schweiz auf und machte da ihre erste Ausbildung als Primarlehrerin. Sie studierte danach Klarinette und Bassklarinette an der Hochschule für Musik und Theater Bern/Biel bei Ernesto Molinari. Seit Juli 2004 lebt und arbeitet sie in Netzeband, Ostprignitz und unterrichtet Klarinette an der Kreismusikschule Neuruppin. Sie hat für die Kammeroper Schloss Rheinsberg 2004 in Abyssus – Gregorianische Gesänge und Jazzimprovisation“ mitgewirkt und Orchester der Opernwerkstatt unter der Leitung von Ingo Ingensand gespielt. 2004 gab sie einen Soloabend mit Werken des 20.Jahrhunderts,unter anderem mit Werken von Luciano Berio, Edison Denissow, Louis Cahuzac, Eric Dolphy und dem „Kleinen Harlekin“ von Karlheinz Stockhausen. Sie hat 2008 und 2011 bei den „Intersonanzen“ Potsdam gespielt. Der Komponist Peter Francesco Marino hat für sie ein Konzert für Bassklarinette und Streichorchester „Komm süsses Kreuz“ welches am 20.März 2009 in Hannover uraufgeführt wurde, komponiert. 2010 wurde für sie das „Capriccio“ für Klarinette und Klavier von Siegfried Matthus geschrieben. Das Werk hat sie in 2011 uraufgeführt. Seit 2009 leitet sie auch die Kammermusikreihe „Vier Jahreszeiten“ in Netzeband und hat 2011 erstmals mit namhaften Klarinettisten (Theo Nabicht, Ingolfur Vilhjalmsson, Hans Koch, Claudio Puntin und dem Perkussionisten Alexandre Babel) das Projekt Klarinettenfestival „Carte blanche“ ins Leben gerufen.

Felix Kroll, Akkordeon
Geboren in Ost-Berlin, 3 Jahre vor der Wende, versucht Felix Kroll die Mauer der Vorurteile über sein Instrument zu brechen. Dabei bedient er sich dem weit gefächerten Spektrum seines Instruments von Volksmusik bis zur Avantgarde. Wobei der Kontakt und die Auseinandersetzung mit der Gegenwart stets im Vordergrund steht. Schon früh bringt er Werke Neuer Musik zur Uraufführung und arbeitet mit Komponisten wie Friedrich Goldmann, Georg Katzer, Sidney Corbett, Helmut Oehring, Friedhelm Döhl oder Younghi Pagh-Paan zusammen.
Sein Studium an der Hochschule für Künste in Bremen bei Margit Kern, sowie in Finnland bei Mikko Luoma, gaben ihm die Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit einer großen Bandbreite von Werken der Neuen Musik, als auch dem sinnvollen Umgang mit alter Musik aus dem Barock oder der Klassik. Weitere wichtige Einflüsse erhielt er durch die Arbeit mit Gerhard Scherer, Claudia Buder und Geir Draugsvoll (Dänemark).
Er ist Mitbegründer des „RADAR ensemble“, das sich durch einen Brückenschlag zur Performance, Improvisation und multimedialen Konzepten in der Neuen Musik positioniert. Hier konnte er bereits vielfältige Programme mitentwickeln und einige Auftragskompositionen vergeben und Uraufführen. Seit 2009 spielt Felix Kroll in der erfolgreichen Band „Die Grenzgänger“, die das fast vergessene Volksliedgut für die heutige Zeit wieder zugänglich und erlebbar machen. Stilistisch bewegen sie sich dabei zwischen Folk/Chanson, über Blues/Rock, bis zum Swing/Jazz. Neben diesen Projekten konzertiert er in verschiedenen Solo– und  Kammermusikbesetzungen bis hin zu Theater– und Performanceprojekten, für die er bereits eigene Kompositionen anfertigte.

Osterkonzert

Samstag, 20. April 2019, 17 Uhr
Osterkonzert

Joseph Haydns „Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz“ sollten ursprünglich einer bestimmten Karfreitagsandacht dienen: 1785  beauftragte das Domkapitel der spanischen Bischofsstadt Cadiz Haydn mit der Komposition von Orchestersonaten über die Sieben Worte. Anlässlich der Kreuzesverehrung in der Kathedrale verlas und erläuterte der Bischof je ein Kreuzeswort und schritt zwischen jeder Lesung zum ausgestellten Kruzifix. Haydns Musik sollte sowohl die gehörten Christusworte „nachklingen“ lassen, als auch die jeweilige kurze Prozession zum Kreuz begleiten. „Jedweder Text ist bloß durch die Instrumentalmusik dergestalt ausgedrückt, dass es den Unerfahrensten den tiefsten Eindruck in Seiner Seel erwecket“ (J. Haydn, 08. April 1787). Der Komponist ersann ein Motiv zu je einem Kreuzeswort bzw. dem sinnstiftenden Satzanfang, führte dieses jeweilige vokal erdachte Thema aber nicht in Form einer Arie ohne Text aus, sondern in sieben charakteristischen langsamen Sonatensätzen, wie in seinen großen Sinfonien der 1780er und –90er Jahre. Stärker jedoch als in den Sinfoniesätzen herrscht jeweils eine düstere Stimmung vor, die nur in den „positiven“ Sätzen „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ und „In deine Hände“ sanfter und heller schließt. Ansonsten dominieren abwärts gerichtete Motive, oft chromatisch durchsetzte Seufzer, Pausen, Kontrastdynamik. Dramatik im weitesten Sinne erfährt der Sonatenzyklus durch die finster-theatralische „Introduzione“ und das Matthäus 27, Verse 51, 52 illustrierende abschließende „Terremoto“ (Erdbeben).

Haydn schuf 1787 die Fassung für Streichquartett und 1795 auf Drängen des Bischofes von Würzburg eine oratorische Fassung, der ihm auch den oratorischen Text lieferte.

Zapf schrieb seine Komposition „Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“  für eine Aufführung von Haydns Streichquartettfassung in der Zepernicker Sankt-Annen-Kirche 2002. Er wollte Haydns Gedanken zu seinem Werk in einen musikalischen Kontext zur zeitgenössischen Musik bringen.

Haydn stellt in seiner oratorischen Fassung die Worte Jesu als Zitate den jeweiligen Oratoriumssätzen mit ihren Ausdeutungstexten voran. Für diese Zitate benutzt Haydn eine schlichte vierstimmige Satztechnik die sehr an frühbarocke Elemente erinnert. Er rückt die Worte Jesu damit in ein ganz besonderes Licht gegenüber seiner eigenen Tonsprache.

Der Streichquartettfassung  Haydns setzt Helmut Zapf bei diesem Werk seine Tonsprache als Vertonung der „Sieben letzten Worte“ dazwischen.

Zum einen sind die Chorsätze im gleichen homophonen Gestus geschrieben wie Haydns Sätze im Oratorium, allerdings in anderen tonalen Zusammenhängen. Zum anderen gab er als „Bindeglied“ zwischen den Sätzen Haydns und seinen Chorsätzen noch ein jeweils kurz-intonierendes Klarinettensolo dazu, welches nicht nur die Intonation für den Chor darstellt, sondern auch musikalisch die Motivik und Tonarten Haydns aufgreift und diese durch kompositorische Brechungstechnik in ein aktuelles Klangbild formt.

Die Aufführung Haydn/Zapf hat drei Ebenen: Streichquartettsatz/Haydn – – Klarinettensolo/Zapf  – – Chorsatz/Zapf. Mit den drei Ebenen nimmt er bewusst Bezug auf die DREI als das Symbol der Vollkommenheit, aber die DREI steht auch für das Symbol des Kreuzes.
(Karin Zapf)

Tickets: tourist-information-rheinsberg.de
033931 34 94 0
Vorverkauf 20 Euro, ermäßigt 15 Euro
Abendkasse 22 Euro, ermäßigt 17 Euro

Tickets online: https://theatersommer-netzeband.reservix.de/events

Programm

Joseph Haydn (1732 – 1809)
„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ (1787)
Fassung für Streichquartett

Helmut Zapf (1956*)
„Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz“ (2002)
für 4-5 stimmig gemischten Chor und Soloklarinette

Es musizieren und singen:
Gascoigne Quartett Berlin
Vokalensemble ProsecChor – Leitung: Simon Scriba
Klarinette: Sabina Matthus Bebie
Gesamtleitung: Helmut Zapf